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26. November 2020:

Stürmische Zeiten...

Gedanken in Coronazeiten

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Es ist Herbst, der November ist da...© FL

Draußen vor meinem Fenster fegt der Wind durch den Garten, ein Regenguss peitscht die Blätter von den Bäumen. Es ist Herbst, der November ist da. 
Der Newsticker in meinem Smartphone kündigt sogar Orkanböen an. Stürme gerade in dieser Jahreszeit sind unheimlich, unverfügbar, unberechenbar. Wehe dem, der Wind und Regen plötzlich ungeschützt ausgesetzt ist.
Mit den Stürmen des Lebens, so überlege ich mir, ergeht es uns ähnlich: Ungeschützt geraten wir hinein. Sie werfen uns aus der gewohnten Bahn, kalt dringen sie durch bis auf die Haut: 
Ein negativer Befund nach der Routineuntersuchung beim Arzt, die Nachricht vom Tod eines nahestehenden Menschen, der Verlust des Arbeitsplatzes,
oder jetzt die totale Verunsicherung, wie es mit den Infektionszahlen der Corona-Pandemie weitergeht... - Es erwischt uns in diesem Jahr wie ein kalter Regenguss. 
Gefühle und Gedanken werden hin und her gepeitscht wie die Bäume im Herbststurm. Es drückt beklemmend, lähmend auf die Seele…
 
Ich muss an eine Geschichte von Jesus denken, die uns die Bibel überliefert. Sie kennen sie vermutlich aus dem Matthäus-Evangelium, Kap. 8,23-27: Jesus ist mit seinen Jüngern auf den See Genezareth hinaus gefahren. Da kommt plötzlich ein heftiger Sturm auf, das Wasser schlägt über Bord, das Boot droht zu kentern. Und Jesus schläft. Die Jünger haben große Angst, dass sie in Wind und Wellen untergehen. Verzweifelt rütteln sie Jesus wach: „Hilf Herr, wir kommen um!" Da sagt Jesus zu Ihnen: „Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?" Und dann steht er auf, bedroht den Wind und das Meer, und da wird es plötzlich ganz still.
Zwei Vergleichspunkte sind mir wichtig bei dieser Erzählung. Zum einen: Niemand von uns muss als Ein-Mann-Segler die Welt umrunden. Wir sind als Gemeinschaft auf dem Meer der Zeit unterwegs. Niemand muss sich alleine gegen den Sturm auflehnen. Wir sitzen miteinander in einem Boot. 
Das Schiff kann die Familie sein, die Kirchengemeinde oder der Freundeskreis. Die Gemeinschaft ist da, auch wenn wir jetzt physisch möglichst Abstand halten müssen. 
Zum andern eröffnet sich für Gläubige die Gewissheit, dass Jesus mit an Bord sitzt. Auch wenn er in manchen Zeiten nicht als wirksam wahr genommen wird, wenn er zu schlafen scheint. Gemeinsam können wir zu ihm flehen, ihn „wachrütteln" und ihn bitten, er möge uns retten aus der angstvollen Situation.
Dann werden wir - so wie die Jünger - die Erfahrung machen, dass Wind und Wellen ihm gehorchen, dass er die Stürme auch unseres Lebens stillen kann. 
Wichtig sind die gemeinsame Bitte und die Fürbitte für andere. Und das verbindet auf unerwartete, unerklärliche Weise. Das stärkt, das tröstet.
Öfters werde ich gebeten: „Herr Pfarrer, bitte beten Sie für mich". Das mache ich gerne. 
Fürbitte tun kann, darf und soll eigentlich jede/r für andere, so wie jede/r die Fürbitte durch andere braucht. Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Für mich ist es oft eine große Hilfe gewesen, an alle die zu denken, derer Fürbitte ich gewiss bin. Ich glaube, dass ich viel Bewahrung in meinem Leben der Fürbitte Bekannter und Unbekannter zu danken habe".
Trauen Sie sich und trauen Sie es anderen zu! Wir brauchen die Fürbitte, gerade in diesen Zeiten. Wir brauchen die Kommunikation! – Darum halten wir Kontakt durch die Möglichkeiten, die wir gottseidank heute haben, moderne elektronische Medien wie what’s app, und skype, aber auch althergebracht einfach durch Telefon oder Briefe…
Auf jeden Fall: Halten wir aneinander fest!
Ich wünsche Ihnen Bewahrung in dieser Woche.
gesehen bei: Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld

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